Leben mit Hund: „Eigentlich wollte ich nur diese Lassie-Momente.“

Leben mit Hund hatte sie sich irgendwann einmal ganz anders vorgestellt. Diesen Satz sagte eine Frau vor einigen Wochen in unserem ersten Coaching: „Eigentlich wollte ich nur diese Lassie-Momente.“ Ich musste lächeln, weil ich sofort wusste, was sie meinte.

Sie hatte keine spektakulären Abenteuer im Kopf gehabt. Eigentlich waren es ziemlich alltägliche Bilder.

Leine dran, Tür auf und los.

Eine schöne Runde laufen, ohne vorher im Kopf schon die komplette Strecke abzugehen. Vielleicht auf dem Rückweg spontan noch einen Kaffee trinken, weil gerade die Sonne rauskommt. Der Hund liegt unter dem Tisch, sie bestellt einen Cappuccino und bleibt einfach sitzen.

Oder am Wochenende Freunde besuchen. Einen Ausflug machen. In den Urlaub fahren und nicht schon Wochen vorher überlegen, welche Situationen dort schwierig werden könnten.

Diese kleinen Bilder hatte sie im Kopf gehabt.

Ihre persönlichen Lassie-Momente.

Nur hatte ihr niemand gesagt, dass ein Leben mit Hund manchmal eine ganz andere Geschichte schreibt.

Wenn das Leben mit Hund aus Vorfreude Vorausdenken macht

Ihr Hund kommt aus dem Tierschutz und hat einen ausgeprägten Jagdtrieb. Die Schleppleine gehörte zu jedem Spaziergang, und manches, was bei anderen Mensch-Hund-Teams völlig selbstverständlich aussah, fühlte sich für sie längst nicht mehr selbstverständlich an.

Ein Cafébesuch zum Beispiel.

Eigentlich nur Kaffee trinken.

Für sie begann dieser Kaffee jedoch schon lange bevor sie überhaupt an einem Tisch saß.

Wo können wir sitzen? Wie eng stehen die Tische? Was ist, wenn ein anderer Hund kommt? Was mache ich, wenn er unruhig wird? Kann ich schnell genug reagieren?

Und dann dieser eine Gedanke:

Vielleicht lassen wir es heute lieber ganz.

Aus einem Cappuccino wird im Kopf eine kleine Einsatzplanung.

Also geht sie manchmal weiter. Oder sie fährt gar nicht erst hin.

Von außen betrachtet ist das keine große Sache. Dann trinkt man seinen Kaffee eben zu Hause.

Doch wenn sich solche Entscheidungen wiederholen, verändert sich etwas. Erst fast unmerklich. Eine Strecke fällt weg. Eine Einladung wird abgesagt. Der Ausflug wird doch nicht gemacht. Beim nächsten Urlaub beginnt die Planung mit der Frage, was mit dem Hund überhaupt möglich ist.

Der eigene Radius wird kleiner.

Wenn das Leben mit Hund anders aussieht als der Traum davon

Während sie mir damals erzählte, wie sie sich ihr Leben mit Hund vorgestellt hatte, wurde mir etwas deutlich.

Sie war nicht enttäuscht von ihrem Hund.

Da war etwas anderes.

Die Trauer um ein Leben, das sie sich einmal ausgemalt hatte.

Ich glaube, dass viele Frauen dieses Gefühl kennen und kaum darüber sprechen, weil es sich beinahe verboten anfühlt. Schließlich liebt man seinen Hund. Man weiß, dass er seine Geschichte mitbringt. Man hat gelesen, ausprobiert und trainiert, kennt sich vielleicht längst ziemlich gut mit Hundeverhalten, Körpersprache und Management aus.

Und trotzdem darf dieser Gedanke existieren:

Ich hatte mir unser Leben anders vorgestellt.

Das macht die Liebe zum eigenen Hund nicht kleiner.

Es zeigt, dass da einmal eine Vorstellung war. Vom gemeinsamen Unterwegssein. Von Spontaneität. Von einem Hund, der einen begleitet, während das eigene Leben einfach weitergeht.

Irgendwann merkt man jedoch, dass sich die Richtung verändert hat.

Das Leben mit Hund läuft zunehmend durch einen Filter.

Kann ich ihn mitnehmen? Kann ich dort spazieren gehen? Wer könnte uns begegnen? Wie lange kann ich wegbleiben? Was passiert, wenn …?

Manchmal liegt der Hund dabei längst friedlich auf seinem Platz.

Nur die innere Schleppleine ist noch dran.

Mich interessiert am Leben mit Hund, was vor dem Café passiert

Wenn eine Frau zu mir kommt und erzählt, dass ein Cafébesuch mit ihrem Hund schwierig ist, interessiert mich natürlich, was dort geschieht.

Mich interessiert allerdings noch mehr, was in ihr passiert, lange bevor sie die Café-Tür öffnet.

Vielleicht reicht bereits der Gedanke daran und ihr Körper wird ein wenig fester. Vielleicht läuft der Film im Kopf schon los. Vielleicht beginnt sie vorauszudenken, abzusichern und Lösungen für Situationen zu suchen, die noch gar nicht eingetreten sind.

Ihre Hand hält die Leine etwas fester.

Der Blick wandert.

Der Kopf ist drei Ecken weiter.

Und irgendwann entscheidet sie auf Grundlage dessen, was passieren könnte, statt auf Grundlage dessen, was gerade tatsächlich passiert.

Dort liegt für mich eine entscheidende Stelle.

Denn wenn wir im Leben mit Hund ausschließlich auf das sichtbare Verhalten des Hundes schauen, fehlt ein Teil des Teams.

Bei Mind & Lead nehmen wir deshalb die Frau mit ins Bild. Mit ihren Gedanken, ihren Gefühlen, ihren Körperreaktionen, ihren Erfahrungen, ihren inneren Antreibern und den Entscheidungen, die daraus entstehen.

Nicht, um ihr die Verantwortung für das Verhalten ihres Hundes zuzuschieben.

Wir schauen dorthin, weil dort etwas liegt, worauf sie Einfluss nehmen kann.

Veränderung im Leben mit Hund beginnt manchmal früher

Eine Frau muss dafür nicht lernen, in jeder Situation vollkommen ruhig zu sein. Sie muss auch nicht dafür sorgen können, dass draußen nichts Unvorhergesehenes mehr passiert.

Viel hilfreicher wird es, wenn sie früher wahrnehmen kann, was gerade in ihr beginnt.

Dieser eine Gedanke.

Das leichte Festwerden der Hand.

Der Blick, der bereits die Umgebung scannt.

Der innere Satz: „Hoffentlich passiert jetzt nichts.“

Und anschließend die Frage: Was steckt bei mir eigentlich dahinter?

Muss ich alles im Griff haben, damit ich mich sicher fühle? Habe ich Angst, etwas falsch zu machen? Was bedeutet es für mich, wenn mein Hund reagiert und andere Menschen es sehen? Was erzähle ich mir in diesem Moment über mich selbst?

Solche Fragen verändern nicht automatisch das Verhalten eines Hundes.

Sie können jedoch verändern, wie eine Frau sich selbst in diesen Situationen erlebt.

Wenn sie ihre eigenen Reaktionen früher wahrnimmt und deren innere Logik versteht, muss der Autopilot nicht mehr jedes Mal unbemerkt das Steuer übernehmen.

Zwischen „Da könnte etwas passieren“ und „Ich drehe lieber um“ entsteht langsam wieder Raum.

Raum für eine Entscheidung.

Vielleicht geht sie weiter. Vielleicht verändert sie etwas an der Situation. Vielleicht entscheidet sie auch ganz bewusst, heute umzukehren.

Der Unterschied liegt darin, dass sie zunehmend wählen kann.

Für mich ist das ein wesentlicher Wert von Mind & Lead: Eine Frau entwickelt die Sicherheit nicht ausschließlich daraus, dass draußen alles so läuft, wie sie es geplant hat. Sie erlebt zunehmend, dass sie sich selbst wahrnehmen, verstehen, entscheiden und auch nach einem schwierigen Moment wieder zu sich zurückfinden kann.

Aus dieser inneren Sicherheit entstehen Wahlmöglichkeiten.

Und aus Wahlmöglichkeiten kann wieder Freiheit entstehen.

Ein Leben mit Hund, das wieder größer werden darf

Vor ein paar Tagen bekam ich von dieser Frau ein Foto.

Ihr Hund lag unter einem Cafétisch.

Ganz unspektakulär.

Kein perfektes Instagram-Motiv, keine große Inszenierung. Einfach ein Hund unter einem Tisch und eine Frau, die offenbar beschlossen hatte, dort zu bleiben.

Unter dem Foto stand:

„Vor zehn Wochen hätte ich vorher wieder umgedreht.“

Dieser Satz ist für mich fast wichtiger als das Foto.

Denn natürlich sehe ich den Hund unter dem Tisch.

Ich sehe aber auch das, was eine Kamera nicht fotografieren kann.

Die Entscheidung davor.

Sie ist hingefahren.

Sie hat die Situation nicht bereits in Gedanken zu Ende erlebt, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Und sie ist nicht vorher wieder umgedreht.

Ob ihr Hund künftig in jedem Café entspannt unter dem Tisch liegen wird, weiß niemand. Das ist auch nicht das Versprechen meiner Arbeit.

Die Veränderung liegt für mich an einer anderen Stelle: Sie muss nicht vorher wissen, ob alles problemlos funktionieren wird, um sich etwas zuzutrauen.

Sie kann erleben: Auch wenn etwas anders läuft als geplant, kann ich wahrnehmen, was mit mir passiert. Ich kann entscheiden. Ich kann handeln. Und ich kann wieder zu mir zurückfinden.

Damit verändert sich weit mehr als ein Cafébesuch.

Was ein freieres Leben mit Hund bedeuten kann

Vielleicht sehen Lassie-Momente heute anders aus als in unserer ursprünglichen Vorstellung.

Als Kind hätten wir vermutlich einen Hund beschrieben, der frei neben uns herläuft, selbstverständlich jedes Wort versteht und geduldig wartet, während wir irgendwo einen Kaffee trinken.

Heute denke ich bei diesen Momenten an etwas anderes.

An die Frau, die morgens die Leine nimmt und einen Weg wählt, weil sie dort heute gerne laufen möchte.

An die Frau, die nach einer schwierigen Begegnung nicht den gesamten Spaziergang im Kopf noch fünfmal wiederholt.

An die Frau, die eine Einladung nicht automatisch absagt.

Die ihren Hund manchmal mitnimmt und manchmal ganz bewusst zu Hause lässt, weil beides eine gute Entscheidung sein kann.

Die nach dem Spaziergang nicht ausschließlich erleichtert denkt: „Zum Glück ist nichts passiert.“

Und an die Frau, die in einem Café sitzt, ihren Cappuccino trinkt und irgendwann feststellt, dass sie seit zehn Minuten nicht darüber nachgedacht hat, was als Nächstes passieren könnte.

Das ist für mich ein Leben mit Hund, in dem der Hund weiterhin dazugehören darf – mit seiner Persönlichkeit, seiner Geschichte und mit Dingen, die vielleicht auch morgen noch schwierig sein werden.

Doch das eigene Leben bekommt wieder mehr Platz.

Mehr Entscheidungen. Mehr spontane Abzweigungen. Mehr Kaffee, Freunde, Urlaub, Natur und Gespräche. Mehr Momente, in denen die Aufmerksamkeit nicht permanent auf Empfang steht.

Vielleicht waren die Lassie-Momente, nach denen diese Frau gesucht hat, nie wirklich die Geschichte von einem perfekt funktionierenden Hund.

Vielleicht erzählen sie vielmehr von dem Wunsch, mit diesem Hund wieder am eigenen Leben teilnehmen zu können.

Vor zehn Wochen wäre sie umgedreht.

Dieses Mal blieb sie.

Ihr Hund lag unter dem Cafétisch.

Und vor ihr stand ein Kaffee, den sie nicht zu Hause trinken musste.

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